Privacycoins: HTTPS für Blockchain-Geld?

info_d17io04j | 8. Januar 2020 | 0 | Text News

Ein wichtiger CEO prophezeit, dass sich 2020 eine Kryptowährung durchsetzen wird, die mehr Privatsphäre als Bitcoin bietet. Dabei kursiert der Vergleich, Bitcoin sei wie das unverschlüsselte HTTP ist, während die sogenannten Privacycoins dem mittlerweile zum Standard gewordenen HTTPS entsprächen. Unter den so beworbenen Privacycoins sticht derzeit vor allem Monero heraus, dem nun auch Europol Respekt erweist – was für die User allerdings nach hinten losgehen könnte.

Manchmal ist es schwer, zu erkennen, was einen Verlierer von einem Gewinner unterscheidet. So hat Balaji S. Srinivasan vor einigen Jahren mit seiner Firma 21.co es geschafft, von Investoren 116 Millionen Dollar zu erhalten, ohne dass daraus jemals ein ernstzunehmendes Produkt wurde. 21.co hat versucht, Bitcoin-Mikropayments in Geräte zu bringen, hat dafür einen überteuerten Raspberry verkauft, die ursprünglichen Pläne, die Geräte minen zu lassen, wieder verworfen, dafür mit Payment-Channels experiment und sich am Ende in Earn.com umbenannt, was dann von Coinbase geschluckt und, soweit ich weiß, mittlerweile heruntergefahren wurde.

Trotz dieser offensichtlichen Underperformance genießt Balaji weiterhin einen hervorragenden Ruf in der Kryptoszene. Vor wenigen Tagen hat er sein neues Projekt vorgestellt: Nakamoto.com. Das ist ein mäßig redigiertes Blog, in dem Industrie-Kapitäne der Kryptowelt Essays veröffentlichen. Neben Balaji selbst schreibt dort unter anderem der CEO von Coinbase, Brian Armstrong. In seinen Vorhersagen, was 2020 passieren wird, finden wir einen interessanten Kommentar zu Privacycoins:

“Ich denke, wir werden sehen, dass eine der dominanten Chains im Jahr 2020 mehr Privatsphäre integrieren wird. So wie wir das Internet als HTTP gestartet haben, und erst später HTTPS als Standard auf vielen Webseiten eingeführt haben, so denke ich, dass wir schließlich sehen werden, dass ein ‘Privacy Coin’ oder eine Blockchain mit Privacy-Features 2020 im Mainstream ankommt. Es macht in den meisten Fällen keinen Sinn, jede Zahlung auf einem transparenten Kontobuch zu veröffentlichen.”

Das passt recht gut dazu, was ein anderer prominenter Vertreter der Szene zu Jahresanfang twitterte. John McAffee, Sicherheitsguru, Krypto-Ideologe und ICO-Werbefläche, hat vor einiger Zeit einmal angekündigt, sein bestes Teil zu verspeisen, sollte Bitcoin nicht im Jahr 2020 100.000 Dollar (oder so) wert sein. Nun nimmt er dazu Stellung: “Meinen Schwanz in 12 Monaten essen? Das war doch nur eine List, um neue User an Bord zu holen. Es hat geklappt. Bitcoin war zuerst da. Es ist eine antike Technologie. Jeder weiß das. Neue Blockchains haben Privacy, Smart Contracts, verteilte Apps und mehr. Bitcoin ist die Zukunft? War das Model T die Zukunft der Automobile?

Bitcoin ist, darüber sind sich Armstrong und McAffee wohl einig, eine alte Technologie. Die Zukunft gehört Blockchains mit weiteren Funktionen, und eine davon ist es, mehr Privatsphäre zu bieten. Das macht die sogenannten “Privacy Coins” plötzlich enorm interessant. Von diesen sind vor allem drei prominent: Monero, Zcash und Dash.

Dash scheidet gewissermaßen aus, weil sein Privacy-Modell lediglich darauf beruht, dass User optional eine Art CoinJoin über Masternodes betreiben können. Dies ist zwar privater als einfache Transaktionen, kann aber vermutlich von guten Analyse-Instrumenten geknackt werden.

Zcash

Zcash hingegen ist der liebste Privacy-Coin einiger Industriebosse, weshalb Zooko, der Gründer und Leitentwickler von Zcash, auch auf nakamoto.com veröffentlichen darf.

Dort hyped er unverfroren Zcash, und zwar mit demselben Argument, dem sich auch Brian Armstrong bedient: “Die Bücher, die du gekauft hast, die Orte, an denen du warst, die Leute, die bei dir waren – all das kann aus einer Liste von Rechnungen rekonstruiert werden. Und doch speichern öffentliche Blockchains wie Bitcoin und Ethereum diese Informationen über dich für jeden, der drauf schaut.” Zooko vergleich dies mit dem Internet, in dem in den früheren Jahren jede Verbindung unverschlüsselt gesendet wurde, bevor sie durch HTTPS verschlüsselt wurden. “Wir haben eine ähnliche Lösung für verschlüsselte Transaktionen auf einer öffentlichen Blockchain entwickelt, nämlich Zcash.”

Dann fällt Zooko in die mittlerweile üblich gewordene Hysterie zur Blockchain-Transparenz ein: “Jeder, der deine Adresse kennt, kann sehen, wie hoch dein Guthaben ist, wem du etwas überweist, den Betrag, das Datum […]. So wie vor HTTPS kann jeder alles lesen.” Daher, wiederholt Zooko, sei Zcash die Analogie zu HTTPS.

Die Analogie hinkt natürlich gewaltig. Während jeder Internet-User nur eine IP-Adresse hat, haben Bitcoin-User beliebig viele Adressen auf beliebig vielen Wallets; und während über http konkret gezeigt wird, welche Webseiten ein User ansurft, verrät eine Bitcoin-Transaktion lediglich eine pseudonyme Zieladresse, die gewöhnlich für jede Zahlung neu generiert und nur einmal benutzt wird. Es ist noch nicht einmal ohne weiteres herauszufinden, wie hoch der versendete Betrag ist, da einer der Outputs das Wechselgeld enthält, das zurück zum Sender geht. Die Lage ist längst nicht so dramatisch, wie sie gerne von Leuten beschrieben wird, die einem gewöhnlich einen Privacy-Altcoin verkaufen wollen.

Dennoch stehen die Voraussagen von Brian Armstrong und John McAffee, das 2020 das Jahr der Privacy-Coins werden könnte. Für Zcash sieht es dabei aber nicht so rosig aus. Zunächst einmal, weil die “Shielded Transaction” optional sind. Sie sind zudem recht teuer, rechenaufwändig und mit 2 Kilobyte auch zu groß, um gut zu skalieren (was den Vergleich mit HTTPS weiter fragwürdig macht). Daneben ist Zcash ein ziemlicher Flop, wenn man das nach gut zwei Jahren der Existenz schon sagen darf: Das Transaktionsvolumen stagniert, die Marktkapitalisierung befindet sich mit 270 Millionen Dollar auf Platz 32 im Ranking, und damit ziemlich nahe an der Shitcoin-Schwelle; der Preis kratzt derzeit mit etwa 30 Dollar am Allzeittief, was Zcash unter den drei Privacycoins zum einzigen macht, der ein durchweg schlechtes Investment darstellt.

Dies allerdings gilt natürlich nicht für den Gründer Zooko. Der hat durch den Founder-Reward bei Zcash – ein Mechanismus, der einen Teil der Mining-Erträge an die Entwickler und Gründer auszahlt – im Jahr mehr als 4 Millionen Dollar verdient. Deutlich mehr ging noch an seine Firma Electronic Cash Company. Eigentlich sollte der Founder Reward Mitte 2018 auslaufen, doch Zooko hat erklärt, dass dem nicht so sein dürfe, weshalb er nun offenbar weitergeht. Die Umverteilung von Geld von Investoren an die Gründer eines Coins wurde noch nirgendwo so deutlich wie bei Zcash.

Monero

Der einzige meiner Meinung nach ernstzunehmende Privacycoin ist Monero. Hier gibt es keine Founder-Rewards und kein Pre-Mining, sondern eine Community, die klar hinter zwei Zielen steht – einer hohen Privatsphäre und einer Resistenz gegen Asics – und diese technologisch durchaus kompetent und engagiert ausführt. Und wo die Anwender-Zahl von Zcash gegen Null tendiert, wird Monero im Darknet immer beliebter und erfreut sich einer Graswurzelbewegung von Idealisten. Der Kurs von Monero ist zwar auch auf einem relativ tiefen Stand, aber immerhin deutlich höher als Anfang 2017; Early Adopter, die 2016 oder früher in Monero eingestiegen sind, erfreuen sich prächtiger Gewinne, auch gegenüber Bitcoin.

Dem zollte kürzlich auch Europol Anerkennung. In einem Webinar, das per Video verfügbar war, aber leider nicht mehr ist, hat mehreren Medienberichten zufolge Jerek Jakubcek von Europol auch über Monero geredet. Er berichtete von einer Untersuchung, bei dem die Beamten der Spur des Geldes gefolgt sind, bis diese bei Monero im Sande verlief. “Weil der Verdächtige eine Kombination von Tor und Monero benutzt hat, konnten wir die Guthaben nicht weiter verfolgen. Wir konnten die IP-Adresse nicht feststellen. Das bedeutet, wir sind in einer Sackgasse gelandet. Was auch immer auf der Bitcoin-Blockchain geschieht, ist öffentlich, und daher kamen wir einigermaßen weit. Aber die Monero-Blockchain, das war der Punkt, an dem die Ermittlung endete. Das ist ein klassisches Beispiel unter einigen Fällen, in denen ein Verdächtiger entschied, seine Guthaben von Bitcoin oder Ethereum in Monero zu wechseln.”

Leider existiert das Video nicht mehr. Neben dem überlieferten Zitat enthielt es wohl noch viele interessante Anmerkungen zu Monero, dem Markt für Privacy-Coins und dem Stand der Blockchain-Analyse auf anderen Coins. Falls jemand hier mehr Infos hat, freue ich mich über einen Kommentar.

Monero hat sich mittlerweile als der Goldstandard der anonymen Blockchain-Transaktionen etabliert. Wenn ein Coin den Anspruch hat, das https der Kryptowährungen zu werden, dann dieser. Allerdings könnte sich der Ritterschlag durch Europol auch bitter rächen. Denn wenn Europol und andere Strafverfolger anerkennen, dass Monero-Transaktionen nicht rückwirkend nachverfolgbar sind, falls sie durch einen Kriminellen verwendet werden, bedeutet das womöglich, dass die Regulierer und Strafverfolger in Zukunft sicherstellen werden, dass die Verfolgung – also die Eingriffe in die Privatsphäre – schon im Vorfeld geschehen. Also nicht erst, wenn ein Verdacht vorliegt, sondern präventiv und generalisiert, für alle User. Nicht mehr die Straftat könnte zum Anlass einer Untersuchung werden, sondern der pure Besitz von Monero.

Wir sehen diese Tendenz bereits, wenn eine Börse wie BitOasis aus Dubai von Usern, die Privacy-Coins gehalten haben, sehr detaillierte Auskünfte verlangt, damit die Coins freigegeben werden. Andere Börsen haben Monero vom Handel genommen, weil es schwierig und teuer ist, den Privacy-Coin mit der bestehenden Regulierung in Einklang zu bringen, und wieder andere Börsen Monero erst gar nicht. Die Börsen, die in dieser Beziehung noch relativ unbefangen sind, verhängen oft für Monero deutlich tiefere Auszahlungsschwellen als für Bitcoin.

Mit anderen Worten: Die Regulierung wird dafür sorgen, dass der Erwerb und die Nutzung von Monero (und anderen Privacy-Coins) schwierig und unattraktiv wird für User, die die Privatsphäre nicht zwingend benötigen. Und sobald einmal diese Trennung da ist, sobald die “unbescholtenen Bürger” einen transparenten Coin wie Bitcoin oder Ethereum benutzen, und die Kriminellen einen Coin wie Monero, dürfte die Strafverfolgung ein wichtiges Ziel erreicht haben.

Brian Armstrong, der CEO einer Börse wie Coinbase, die dafür bekannt ist, Guthaben von Usern einzufrieren, wenn diese über Transaktionen Kontakt mit zwielichten Plattformen aufnehmen – sei es ein Darknetmarket, sei es eine Glücksspielseite – sollte dies eigentlich wissen. Wer wenn nicht er sollte im Bilde sein, wie Strafverfolger mit den Privacy-Coins umgehen? Dass er dennoch orakelt, 2020 könne sich ein Privacy-Coin als das HTTPS der Kryptowährungen durchsetzen, verwundert ein wenig. Weiß er etwas, was uns entgangen ist? Ist ihm klar, dass die Regulierung nicht die rechtliche Grundlage hat, um Coins wie Monero übermäßig durch Auflagen zu strangulieren?

Oder weiß Armstrong eben darum, weil er die harte Regulierung von Kryptowährungen kennt, mit ihren Auflagen, die Börsen wie Coinbase regelrecht dazu zwingen, ihren eigenen Usern hinterherzuspionieren – weiß er eben darum, wie wichtig eine private Kryptowährung ist? Und strebt er sie an, weil sie die Börsen eben aus der Pflicht nehmen, die Transaktionen der Kunden zu analysieren? Wir haben hier ein Thema, über das wir im Laufe dieses Jahres sicherlich noch viel erfahren werden.

Bitcoin

Zu guter letzt sollten wir noch ein paar Worte über Bitcoin verlieren. Denn so düster – besser gesagt: licht – sieht es beim König unter den Kryptowährungen nicht aus, wie John McAffee, Zooko und zum Teil auch Brian Armstrong es andeuten. Grundsätzlich ist das Privacy-Modell von Bitcoin, wie hier ausführlich dargelegt, nicht so schlecht, wie oft beschrieben, sondern eine sehr ausgewogene Mischung aus Privatheit und Transparenz.

Mit mehreren gut getesteten Wallets mit CoinJoin und anderen Mixing-Verfahren – etwa Wassabi und Samourai – können User bei Bitcoin zudem relativ leicht eine Privatsphäre erreichen, die das Nachverfolgen von Transaktionen wenn nicht unmöglich, so doch sehr schwierig macht. Schwierig genug, um für unbescholtene Menschen, die nicht von Experten der Polizei in monatelangen Ermittlungen gejagt werden, die notwendige Privatsphäre zu gewähren. Und wer dies dann noch mit Lightning kombiniert, um zu bezahlen oder bezahlt zu werden, dürfte kaum noch eine Verwendung für Privacy-Coins haben.

Auch bei Ethereum steht es um die Privatsphäre besser, als einem manchmal vorgetragen wird. So hat die Smart-Contracts-Blockchain dank der von Zcash übernommenen zkSnarks mittlerweile mit Tornado Cash einen dezentralen Mixer. Es spricht also vieles dafür, dass nicht ein Privacycoin zu einer dominanten Chain wird, sondern dass eine dominante Chain Elemente eines Privacycoins erhalten wird.

… den ganzen Beitrag auf Bitcoin Blog lesen.

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