Das wichtigste, was ihr über Kryptowährungen und Steuern wissen müsst, in Kürze

info_d17io04j | 13. August 2019 | 0 | Coin traden , Text News

Ein Steuerberater erklärt, was man bei beachten sollte, wenn es um Kryptowährungen und Steuern geht. Sein Beitrag deckt die häufigsten Fragen auf, die ihm von Mandanten gestellt werden.

Christian Lux ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. In den letzten Jahren hat er viele Mandanten zu Kryptowährungen Bitcoin und Steuern betreut. Er kennt die Fragen, die in diesem Zusammenhang üblicherweise entstehen und fasst in diesem Artikel den derzeitigen Rechtsstand zusammen.

Dabei konzentriert er sich auf Privatpersonen, weil Unternehmen in der Regeln ohnehin einen Steuerberater konsultieren.

Muss man Steuern bei Krypto-Währungen ernst nehmen – und ab wann entsteht eine Steuerpflicht?

Die klare Antwort ist JA! Man sollte Steuern bei Krypto-Währungen ernst nehmen. Zunächst ist es wichtig, zu erkennen, ob eine Privatperson mit einem Vorgang der Besteuerung unterliegt oder nicht.

Der Grundfall der Besteuerung bei Kryptowährungen sind Spekulationsgewinne. Die meisten werden den Regelfall kennen, dass ein Kauf und Verkauf von Krypto-Währungen innerhalb eines Jahres stattfindet. In diesem Fall liegt ein steuerpflichtiger Vorgang nach §23 (1) Nr. 1 EStG vor und man hat die Differenz aus Anschaffungskosten – also dem Kaufpreis – und dem Verkaufspreis zu ermitteln. Dabei sollte der Steuerzahler nicht versäumen, auch die Nebenkosten einzuberechnen, etwa die Vermittlungsgebühren, die den Gewinn vermindern bzw. den Verlust erhöhen.

Wer Kryptowährungen dagegen mehr als ein Jahr hält, muss Kursgewinne nicht versteuern.

Mehrere Käufe und Verkäufe – wie ist die Haltedauer zu berechnen?

In der Praxis ist es jedoch oft schwierig, die Haltedauer zu ermitteln. Im Regelfall baut man einen Krypto-Bestand über eine gewisse Zeitdauer auf und gegebenenfalls auch wieder ab. Es stellt sich hier die Frage, wie die einzelnen Kauf- und Verkaufsvorgänge zu berücksichtigen sind.

Die Antwort ist hier leider nicht eindeutig. Im Gesetz ist in §23 (1) Nr.2 S.3 EStG nur die Berücksichtigung bei Fremdwährungen geregelt. Da Kryptowährung offiziell nicht als Fremdwährung gelten, ist das Verfahren also nicht gesetzlich geregelt. Dies bedeutet, dass man theoretisch jedes mögliche Verfahren wählen könnte. Um allerdings einen Ansatzpunkt zu haben, erläutere ich im Folgenden das FiFo-Verfahren.

FiFo steht für „First-in-First-out“, also „erstes rein, erstes raus.“ Seine Anwendung ist analog zu §23 (1) Nr. 2 S.3 EStG. Es bedeutet, dass die zuerst gekauften Bestände auch als erstes verkauft werden.

Ein Beispiel: Ich kaufe am 1. Mai 2018 zwei Bitcoin zu einem Preis von je 7.000 Euro, und stocke meinen Bestand am 1. Juni desselben Jahres um zwei weitere Bitcoin zu einem Preis von je 5.500 Euro auf.

Dann verkaufe ich einen Bitcoin am 15. Mai 2019 für 7.200 Euro. Laut FiFo wird damit der Bitcoin verkauft, den ich am 1. Mai 2018 erworben habe. Ich habe ihn länger als ein Jahr gehalten, der Kursgewinn von 200 Euro ist demzufolge steuerfrei.

Nehmen wir nun an, ich verkaufe einen Tag später, am 16. Mai 2019, zwei weitere Bitcoins zu je 7.300 Euro. Einer der beiden Bitcoins wird dem Kauf vom 1. Mai 2018 zugerechnet und wurde damit länger als ein Jahr gehalten. Der Spekulationsgewinn für ihn ist also steuerfrei. Der zweite verkaufte Bitcoin verbraucht jedoch den Kauf vom 1. Juni 2018, womit zwischen Kauf und Verkauf also weniger als ein Jahr vergangen ist. Der Kursgewinn von 7.300 Euro minus 5.500 Euro, also 1.800 Euro, ist demnach steuerpflichtig.

Diesen Gewinn habe ich in der Steuererklärung in der Anlage SO anzugeben. Dabei kann ich die steuerliche Freigrenze von 600 Euro nach §23 (3) S.5 EStG beachten. Wenn ich durch alle steuerpflichtigen Verkäufe in einem Kalenderjahr – was sowohl Gewinne als auch Verluste beinhaltet – weniger als 600 Euro gewinne, sind keine Steuern zu bezahlen. Übersteigt dagegen mein Gewinn wie im oben vorgestellten Beispiel diesen Betrag, sind meine Gewinne steuerpflichtig – einschließlich der 600 Euro!

Wichtig ist, zu beachten, dass nicht nur Spekulationsgewinne aus Kryptowährungen in diese Rechnung einfließen, sondern sämtliche Spekulationsgewinne.

Sollte ich auch Spekulationsverluste erklären?

Gewinne muss man erklären, auch wenn man es vielleicht lieber nicht täte. Anders ist es bei Verlusten – die sollte man ebenfalls erklären, aber nicht allein, um seiner Verpflichtung als Steuerzahler nachzukommen, sondern auch, weil es helfen kann, die Steuerlast zu reduzieren.

Liegen im Jahr 2017 steuerwirksame Verluste vor – also Verluste, die entstanden sind, wenn zwischen Kauf und Verkauf weniger als ein Jahr liegen – müssen diese mit der
Einkommensteuererklärung 2017 erklärt und in einem separaten Bescheid vom Finanzamt festgestellt werden.

Warum ist das so wichtig? Liegen etwa für 2017 Verluste vor und man versäumt es, diese Verluste in der Steuererklärung für 2017 anzugeben, kann es für dieses Jahr keine Verlustfeststellung geben. Wenn nun im Jahr 2018 Spekulationsgewinne vorliegen, sind diese in der Steuererklärung anzugeben. Solche Spekulationsgewinne machen übrigens die Steuererklärung zur Pflicht, selbst wenn man sie ansonsten nicht abgeben müsste.

Wer nun seine Gewinne aus dem Jahr 2018 mit den Verlusten von 2017 gegenrechnen will, muss die Verluste bereits für 2017 erklärt haben. Ansonsten können sie nicht berücksichtigt werden. Falls jemand bereits einen Bescheid für das vergangene Jahr erhalten, dabei aber versäumt hat, Spekulationsverluste zu erklären, sollte er dringend und kurzfristig zu einem Steuerberater gehen, um zu prüfen, ob er dies nachholen kann.

Kommen wir nun zu einem anderen Thema, das die Besteuerung von Kryptowährungen für viele verkompliziert.

Ist der Tausch von einer Kryptowährung gegen eine andere auch ein Kauf oder Verkauf?

Jeder Tausch einer Krypto-Währung in eine andere Krypto-Währung ist ein Verkauf und neuer Ankauf!

Hätte ich in meinem obigen Beispiel die Bitcoin am sagen wir 30. Dezember 2018 gegen Ether getauscht, läge am 31. Dezember 2018 ein steuerpflichtiger Verkauf der Bitcoin und eine Anschaffung von Ether mit dem Fristbeginn des 31. Dezembers 2018 vor.

Wie dokumentiere ich die Käufe und Verkäufe?

Hinsichtlich der Dokumentation können viele Käufe und Verkäufe, vor allem zwischen verschiedenen Kryptowährungen, schnell zu einer Herausforderungen werden. Ich empfehle jedem, seine Krypto-Währungs Ankäufe und Verkäufe auch außerhalb der Wallets und Börsen zu dokumentieren, etwa durch die Exporte der Daten oder durch Screenshots.

Bei deutschen Vermittlern und Börsen ist zwar davon auszugehen, dass diese auch noch nach einiger Zeit die Daten noch bereitstellen. Bitcoin.de unterstützt hier seinen Kunden vorbildlich. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die Dokumentationspflicht jeden Steuerpflichtigen höchstpersönlich trifft.

Wenn die Daten nicht mehr abrufbar sind, etwa weil ein Account gekündigt wurde, kann dies große Probleme nach sich ziehen. So kann die Finanzverwaltung die Besteuerungsgrundlage schätzen, was das Risiko nach sich zieht, dass man mehr Steuern bezahlen muss als eigentlich notwendig.

Ich bin so ein kleiner Fisch, muss ich das wirklich angeben?

Ich höre manchmal, dass Leute meinen, ihr Handelsvolumen wäre zu unbedeutend, als dass man einen Gewinn in der Steuererklärung angeben müsste. Hier kann ich nur sagen: Man muss Spekulationsgewinne immer angeben. Alles andere wäre schlicht Steuerhinterziehung und damit fangen ganz andere, meistens sehr massive Probleme an.

Ich kann daher jedem nur dringend dazu raten, die Spekulationsgewinne und – verluste mit anzugeben. Wer falsch parkt, bekommt nur ein Ticket. Wer eine Steuerhinterziehung begeht, bekommt im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe, zumindest wird es aber sehr teuer.

Häufig werde ich in diesem Fall gefragt, wie hoch das Aufdeckungsrisiko ist. Hierzu kann man nur eines sagen: Vor dem Zufall ist niemand sicher! Es gibt auch Steuerstrafverfahren, die auf anonymen Anzeigen beruhen, etwa durch ehemalige Freunde, Geschäftspartner, Ex-Partner, Nachbarn und so weiter. Auch davor ist niemand sicher!

Das war mir in der Vergangenheit so gar nicht bewusst. Muss ich Spekulationsgewinne auch nachträglich melden?

Ja, man sollte es machen. Es gibt die Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige. Damit muss man zwar auf jeden Fall die Steuern und auch Zinsen zahlen sowie unter Umständen noch weitere Gebühren, aber man bleibt straffrei.

Mit der strafbefreienden Selbstanzeige hat der Gesetzgeber eine goldene Brücke geschaffen. Jeder macht mal einen Fehler und soll einen Weg haben, diesen wieder auszugleichen. Nicht möglich ist diese Option aber, wenn eine Steuerhinterziehung bereits aufgedeckt ist. Daher sollte man die letzten zehn Jahre prüfen und dementsprechend handeln.

Wer sich entscheidet, eine strafbefreiende Selbstanzeige einzureichen, sollte dies nicht selbst machen. Das ist auf jeden Fall ein Thema für einen Steuerberater. Fehler können dabei sehr schnell „nach hinten losgehen“. Man denke nur an den Fall von Herrn Hoeneß.

Wichtiger Hinweis:
Es handelt sich bei meinen Erklärungen um den derzeitigen Stand der Gesetze und Rechtsprechung. Dieser ist permanent im Wandel. Ich übernehme daher keine Gewährleistung, ob die Ausführungen in einem konkreten Sachverhalt auch zutreffend und umsetzbar sind. Diese Ausführungen sollen aufmerksam machen und ersetzen keine individuelle Beratung. Ich empfehle auf jeden Fall, wenn auch nur der geringste Zweifel besteht, ob ein steuerrelevanter Sachverhalt vorliegt oder was unternommen werden muss, einen Steuerberater um Rat zu fragen.

Christian Lux
Wirtschaftsprüfer / Steuerberater
Lux & Partner
Wirtschaftsprüfer Steuerberater
www.Lux-Partner.de

… den ganzen Beitrag auf Bitcoin Blog lesen.

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